Unbeantwortetes Thema

Doping, was sonst

daniel
Daniel
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Verfasst am: 11. 06. 2007 [11:33]
Hier mal ein echt objektiver und gut gemachter Kommentar von Henry Fecherolle.
Wenn mehr dieser Journalisten geben würde wäre dem Radsport einiges ersparrt geblieben.

Samstag, 2. Juni 2007
Ein Kommentar von Henry Fecherolle
Als Bert Dietz vor wenigen Wochen bei Beckmann sein Doping-Geständnis zum Besten gab, ahnte noch keiner, welchen Rattenschwanz es nach sich ziehen würde. So gestanden nach und nach die ehemaligen Telekom-Fahrer Henn, Bölts, Aldag und Riis. Alles verjährt und keiner von ihnen ist mehr als Radprofi aktiv. Einzig Erik Zabel fährt noch im Peloton und überraschte damit umso mehr.


Die Konsequenz: Bölts zeigte als einziger Rückrat und bat Hans-Michael Holczer ihn von seinen Pflichten im Team Gerolsteiner zu entbinden. Henn bleibt sportlicher Leiter. Vor allem aber Aldag und Zabel gehen, nach einer äußerst fragwürdigen Inszenierung in der T-Mobile Zentrale in Bonn, zur Tageordnung über und Zabel lässt sich bei der Bayern-Rundfahrt von Publikum, Veranstaltern und natürlich Herrn Scharping auf dem Podium feiern.

Derweil treibt die Geständnis-Offensive an anderen Schauplätzen ganz andere Blüten. Marcel Wüst, ehemaliger Radprofi und Experte der ARD, kann sich jetzt Gedanken darüber machen wie er den Juli verbringt, da sein Arbeitgeber ihn kurzerhand vor die Tür setzte.

Die Firma Wiesenhof gab am Tag der T-Mobile Pressekonferenz bekannt ihr Sponsoring Ende des Jahres zu beenden, was in der Konsequenz das Ende der Talentschmiede bedeuten könnte. Woher in solchen Zeiten einen neuen Sponsor nehmen?

Herr Scharping, „Verteidigungsminister des Radsports“, der natürlich jeden verurteilt, der mit Doping auch nur in Berührung kommt, hat als „Fan“ keine Bedenken seinen „Freund“ Zabel weiterfahren zu lassen.

Ganz anders vor einigen Monaten bei Jan Ullrich, der schwer unter Beschuss geraten war, prompt alle seine großen Schulterklopfer verlor, obwohl er nie gestand und bis heute weder verurteilt, noch gesperrt ist.

Erik Zabel dürften die vergangen Tage sehr gefreut haben, tritt er doch endlich aus dem überdimensionalen Schatten seines Medienrivalen Ullrich.

Jörg Ludewig musste im letzten Jahr T-Mobile verlassen, da er sich vor Jahren mal nach Doping-Mitteln erkundigt hatte.

Jens Voigt, wegen seiner offenen und direkten Art zum Fahrersprecher ernannt, wiegelt Proteste aus dem Fahrerlager gegen Herrn Zabel ab. Alle ducken sich nur noch und wollen nichts mehr sagen, da jede kleinste Fehlinterpretation sie direkt in den Sog des Generalverdachts befördert.

Und die Herren Journalisten „decken auf“, was schon seit Jahren ein offenes Geheimnis war. Keines der Bekenntnisse der vergangenen Tage war wirklich überraschend. Wo wir schon beim Generalverdacht sind, was war denn in den jüngeren Jahren?

Wo bleibt da die Effektivität? Wo die Verhältnismäßigkeit? Wo bleiben da die Fahrer, die mit Doping nichts am Hut haben und dennoch längst Opfer des Generalverdachts sind?

Lieber Herr Zabel, lieber Herr Aldag, rein rechtlich haben Sie alles richtig gemacht. Konsequenzen drohen Ihnen nicht. Wenn Sie aber Ihren Kindern in die Augen schauen möchten, wie Sie uns glauben machen, wäre eine Auseinandersetzung mit den moralischen Aspekt mehr als angebracht. Wie die Konsequenzen aussehen sollten, denken in diesen Tagen viele, aber auch hier traut es sich kaum einer zu sagen. Warum eigentlich nicht?

Hebt man den Blick, so sieht man keine Grenzen.